Pretziener Wehr

Auf dem Weg zum Welterbe

Seit über 150 Jahren leistet das Pretziener Wehr einen entscheidenden Beitrag zum Hochwasserschutz an der Elbe. Die außergewöhnliche Anlage bewahrt Menschen, Siedlungen und wertvolle Kulturlandschaften vor den Folgen extremer Wasserstände und zählt zu den bedeutendsten wasserbaulichen Bauwerken Deutschlands.

Historische Ingenieurskunst im Dienst des Hochwasserschutzes

Als die Elbe im 19. Jahrhundert mit ihren regelmäßig auftretenden Hochwassern große Teile der Region bedrohte, reichten klassische Deichanlagen allein nicht mehr aus. Der preußische Baurat Hermann Wurffbain entwickelte deshalb ein zukunftsweisendes Gesamtkonzept: Ein rund 21 Kilometer langer Umflutkanal sollte überschüssige Wassermengen aufnehmen und über ein eigens errichtetes Wehr bei Pretzien kontrolliert ableiten. Dieses ausgeklügelte System verringerte die Hochwassergefahr erheblich und setzte neue Maßstäbe im Wasserbau.

Mit seiner innovativen Schützenkonstruktion nahm das Pretziener Wehr eine Vorreiterrolle im europäischen Ingenieurwesen ein. Die technische Lösung diente später zahlreichen vergleichbaren Anlagen als Vorbild und gilt bis heute als herausragendes Beispiel dafür, wie sich technische Innovation und natürliche Flussdynamik miteinander verbinden lassen. Angesichts zunehmender Hochwasserereignisse besitzt dieses Konzept bis heute hohe Aktualität.

Ein Denkmal in einer einzigartigen Flusslandschaft

Ebenso bemerkenswert wie seine technische Bedeutung ist die landschaftliche Einbindung der Anlage. Das Wehr befindet sich in einer weitgehend naturnahen Elbauenlandschaft, die unter besonderem Schutz steht und Teil des UNESCO-Biosphärenreservats „Flusslandschaft Elbe“ ist. Das Bauwerk ist nahezu vollständig im Originalzustand erhalten, weiterhin betriebsfähig und erfüllt noch immer seine ursprüngliche Funktion – eine seltene Kombination aus historischem Erbe und lebendiger Nutzung.

Copyright: IMG Sachsen-Anhalt mbH

Welterbe-Kandidat

Das Pretziener Wehr steht beispielhaft für eine Ingenieurleistung, die langfristiges Denken, technische Exzellenz und den respektvollen Umgang mit der Natur miteinander verbindet. Seine außergewöhnliche Authentizität, seine historische Bedeutung und seine bis heute bestehende Funktion machen es zu einem einzigartigen Kulturdenkmal von internationalem Rang und zu einem überzeugenden Kandidaten für die Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste.

Ein langer Weg

Bevor eine Stätte UNESCO-Welterbe werden kann, muss sie ein Auswahlverfahren durchlaufen. Voraussetzung ist, dass das jeweilige Land oder Bundesland ihr einen „außergewöhnlichen universellen Wert“ zuschreibt und sie als Kandidatin für die Welterbeliste vorschlägt.

Die Kandidaten aus Sachsen-Anhalt, zu denen neben dem Pretziener Wehr auch die Franckeschen Stiftungen zählen, zeigen, wie vielfältig und bedeutend das kulturelle und landschaftliche Erbe des Bundeslandes ist. Sie haben die Chance, künftig als UNESCO-Welterbe anerkannt und dauerhaft geschützt zu werden.

Bewerbungsprozess

  • Sachsen-Anhalt wählt das Pretziener Wehr für die deutsche Vorschlagsliste zur UNESCO-Welterbeliste aus

  • Aufnahme auf die deutsche Tentativliste

  • 150. Bestandsjubiläum
    mit Festakt und Familienfest

    Gründung des Fördervereins Weltkulturerbe Salzlandkreis e.V.

  • Erstellung eines Dossiers, welches von der internationalen Expertenkommission ICOMOS geprüft wird 

  • Mögliche Aufnahme in die UNESCO-Welterbeliste